Ich möchte diesen Blogeintrag dazu nutzen, mich dem Thema zu widmen, ob Kunst definiert erkennbar ist bzw. wo die Grenze zwischen vorhandener und fehlender Qualität einer Kunst ist. Um meine Intention zu verdeutlich greife ich tief in meine Beispielskiste:
Hör ich meinem Deutschlehrer Merkel zu, und höre wie toll Heinrich von Kleist in elaboriertem Code arbeitet und welch' wahnsinnig gute Hypotaxen er in seinen Texten an den Tag legt, frage ich mich, was da Wahres dran ist. Kleist, ein Preußen-Patriot und Anekdoten-Verfasser aller erster Güte, schafft es in einen Satz mehr Kommata zu setzen, als andere Autoren in einem ganzen Buch (Achtung, Übertreibung ...). So sehe ich, dass in seiner Anekdote ein Satz teilweise über einige Zeilen hinweg geht und mein Deutschlehrer Merkel mir allen Ernstes erzählen will, welch' tolle Wurst von Kleist ist und was für ein Wahnsinns-Repertoire an Einschüben, Relativsetzen und Parenthesen er an den Tag legt. Nonsens. Würde ich so schreiben, würde jeder Lehrer mehr rote Korrigierfarbe aufwenden müssen, als die pro.7-Redaktion für die "Red Nose"-Produktion. Bei mir würden es unverständliche Schachtelsätze; bei Heinrich von Kleist ist das Kunst. Bizarr.
Gleiches Genre, neuer Autor: Bertold Brecht, "Dreigroschenoper" - eine offensichtliche Kapitalismus-Kritik von Brecht, seiner Person Linkssozialist. Brecht ist ein Gesellschaftskritiker aller erste Sahne. In kurzen bündigen Sätzen versteckt er seine kritische Sichtweise auf die damalige Gesellschaft. Einfach hervorragend. Dabei ist, laut meinem Deutschlehrer, überall Gesellschaftskritik. Ob bei der Namensgebung der Charaktäre, der Umschreibung ihrer Tätigkeit, ihrer Entscheidungen ... überall ist Gesellschaftskritik. Ich bin mir sicher, ein guter Deutschlehrer, wie Herr Merkel es natürlich ist, würde selbst in die rechte Wurmfortsatzbündel-Hälfte Gesellschaftskritik reininterpretieren, schließlich könnte das ein Zeichen für die Kritik an der schlechten medizinischen Versorgung Londons sein ... What the Fuck? Ich bin fest davon überzeugt, Brecht schrieb die "Dreigroschenoper" zwar mit klarem Motiv und dem Willen, die schlechten Seiten des Kapitalismus aufzuzeigen, aber dass sich dies in den atemberaubenden Alliterationen der Hauptcharaktäre wie Mackie Messer oder Polly Peachum wiederspiegelt ... wie gesagt: What the Fuck? Und ich bin übrigens genauso davon überzeugt, dass wenn ich die Dreigroschenoper genauso geschrieben hätte, wie es Brecht seiner Zeit tat, dies als völlig wertlos abgestempelt wäre und mir darüber hinaus etliche Fehler in meiner Sprache bzw. im Plot aufgezeigt werden würden. Life's a Bitch.
Nächstes Beispiel: Moderne Kunst. Otto Werauchimmer ist ein bedeutender Künstler der Neuzeit. Er nutzt das Momentum des Hypes um die "Moderne Kunst" und zeichnet drei bunte Striche auf ein weißes Blatt Papier, bringt es zur nächstes Kunstausstellung, wo es von Fachgutachtern mit Prädikaten wie "grandios", "ausgezeichnet", usw. versehen wird. Wow. Wahnsinn. Unglaublich. Wieviel man in diese drei Striche reininterpretieren kann, beeindruckt mich. Totale Kunst. Würde ich diese drei Striche so zeichnen und es meinem Kunstlehrer Bechtel vorlegen, würde dieser mit einem Lachkrampf und dem Euphemismus "nicht so gelungen" mein Werk als "mangelhaft" einstufen. Aber bei Otto Werauchimmer ist das Kunst. Tolle Kunst. Life's a Bitch, Part II.
Ein weiteres Beispiel: Olli Banjo, ein Rapper mit Wortwitz seiner Zeit, rappt ein "JUICE Exklusive" für gleichnamiges HipHop-Magazin. Er verfasst zwei, zugegebenermaßen einfallsreiche, Parts und eine Hook, benennt das Lied mit dem Namen "Dumm wie Brot" und schickt es ab. Was les ich vor einigen Tagen auf dem urban-Forum? "Dumm wie Brot" von Banjo wäre eine ironische, versteckte Gesellschaftskritik und der Titel seines Tracks gehe mit dem Motiv konform. Are u kidding me? Auch hier bin ich fest davon überzeugt, dass Banjo das Stück ohne irgendwelchen Hintergedanken, etwas Sozialkritisches zu produzieren, gemacht hat. Wer würde auch über eine Exklusive-CD eines HipHop-Mags aus Deutschland einen solchen Song releasen? Sinnlos. Sicherlich sind einige Lines drin, die mglw. gegen das Verhalten einiger Leute gerichtet sind, aber das gleich als Gesellschaftskritik zu sehen ist Quatsch. Meinetwegen sind Lieder Banjos wie bspw. "Krank" (auf "Lost Tapes") oder "Deutschland" (auf "Erste Hilfe") gesellschaftskritisch, aber nicht ein witziges JUICE-Exklusiv.
Was bleibt uns aus den Erkentnissen? Zum einen bin ich überzeugt, dass man eine gewisse Resonanz bzw. Anerkennung in der sogenannten "Szene" braucht, um aus was Kontroversen, sogar vielleicht Ungewöhnlichen etwas Besonderes zu zaubern. Denn ohne Namen wirkt das Kontroverse bzw. Ungewöhnliche eher lächerlich, als beeindruckend. Weiterhin gab mir der oben beschriebe Gedankengang Gewissheit darüber, dass man heutzutage alles als ein bestimmtes Motiv, das nach Schema F gestrickt worden ist, interpretieren kann und sich die Nebenumstände der Kunst, seien es die Punchlines im Rap, die Charakternamen im Buch oder die Strichfarben in der Modernen Malerei, so zurechtzulegen, dass sie zum eigentlichen Thema besonders gut passen und das Motiv unterstützten. Mittlerweile sehe ich sowieso alles als mögliche Gesellschaftskritisch an ... je nachdem welche Hanswurst es auf welche Art und Weise interpretiert.
Und zu guter letzt bleibt die Erkentniss oder eher die Hinterfragung in was für einer komischen, verrückten Gesellschaft wir leben (Achtung, dies ist auch als Gesellschaftskritik zu deuten...).
Vielen Dank für die Aufmerksamkeit,
Glückauf
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18.12.2007
07.12.2007
Das Wort des Jahres
Die Gesellschaft der deutschen Sprache gab heute, Freitag den 7. Dezember, bekannt, dass "Klimakatastrophe" das Wort des Jahres 2007 ist. Hier durchaus amüsante Liste der Top10 der "Wörter des Jahres":
1.) "Klimakatastrophe"
2.) "Herdprämie"
3.) "Raucherkneipe"
4.) "arm durch Arbeit"
5.) "Dopingbeichte"
6.) "Lustreisen"
7.) "Second Life"
8.) "Bundestrojaner"
9.) "spritdurstig"
10.) "Alles wird Knut"
[Quelle - welt.de]
Letztes Jahr wurde übrigens das Wort "Fanmeile" zum Wort des Jahres gekürt. Kein Wunder bei solcher Fussball-WM.
Glückauf.
1.) "Klimakatastrophe"
2.) "Herdprämie"
3.) "Raucherkneipe"
4.) "arm durch Arbeit"
5.) "Dopingbeichte"
6.) "Lustreisen"
7.) "Second Life"
8.) "Bundestrojaner"
9.) "spritdurstig"
10.) "Alles wird Knut"
[Quelle - welt.de]
Letztes Jahr wurde übrigens das Wort "Fanmeile" zum Wort des Jahres gekürt. Kein Wunder bei solcher Fussball-WM.
Glückauf.
Der Assist zum Assist
Folgende Szene: Hornets vs. Hawks, Pick-and-Roll zwischen Chris Paul und David West, nachdem Paul vorbei geht und den Weg zum Korb sucht, rollt sich West in Richtung der Freiwurflinie ab und ist frei (sein Gegenspieler hilft bei Paul), Chris Paul sieht das, passt raus zu West. Der könnte nun völlig frei den offenen Wurf nehmen, sieht aber Morris Peterson frei in der Ecke, passt zu ihm, Money. Der Assist geht auf Wests Konto, dabei war es doch eigentlich Pauls Verdienst, als er die Aufmerksamkeit der Defense auf sich zog und den freien Mann fand; honoriert wird dies im Statistikbogen jedoch nicht.
Die nächste Szene: Timberwolves vs. Lakers, Distanzwurf von Derek Fisher, der jedoch daneben geht, Rebound von Greg Buckner, der gleich zum Fastbreak ansetzen will. Als er jedoch an Ronny Turiaf vorbeigehen will, wird er gestealt, Turiaf passt den Ball zu Bryant. Auf Grund der aufgerückten Timberwolves-Defense ist keiner mehr hinten, Bryant hat leichtes Spiel, passt zu Bynum, der den Ball reindunkt. Die Vorlage geht auf das Konto von Bryant, dass Turiaf jedoch den weitaus größeren Anteil am Korberfolg hatte, wird nicht berücksichtigt.
Die beiden Szenen sind keine große Ausnahmen, sondern nur Beispiele, die die Regel bestätigen - jede Nacht kommt es bei diversen NBA-Spielen zu Aktionen, bei denen nur der letzte Passer auf dem "Statsheed" belohnt wird, der Spieler der die Defense aufgewirbel hat und/oder den Ball stealen konnte, den freien Assistgeber fand jedoch wird außer Acht gelassen. Wenn man das Spiel nicht sieht - und so geht es uns oft -, dann wird man nicht beurteilen können wie aussagekräftig die Assist-Anzahl der Spieler ist.
So fordern mittlerweile auch etliche NBA-Trainer wie bspw. Mike Brown (Cavaliers) oder Sam Mitchell (Ex-Raptors-Coach) den sogenannten "Hockey-Assist", der in der NHL schon Gang und Gebe ist. Eine sinnvolle Überlegung.
Glückauf.
Die nächste Szene: Timberwolves vs. Lakers, Distanzwurf von Derek Fisher, der jedoch daneben geht, Rebound von Greg Buckner, der gleich zum Fastbreak ansetzen will. Als er jedoch an Ronny Turiaf vorbeigehen will, wird er gestealt, Turiaf passt den Ball zu Bryant. Auf Grund der aufgerückten Timberwolves-Defense ist keiner mehr hinten, Bryant hat leichtes Spiel, passt zu Bynum, der den Ball reindunkt. Die Vorlage geht auf das Konto von Bryant, dass Turiaf jedoch den weitaus größeren Anteil am Korberfolg hatte, wird nicht berücksichtigt.
Die beiden Szenen sind keine große Ausnahmen, sondern nur Beispiele, die die Regel bestätigen - jede Nacht kommt es bei diversen NBA-Spielen zu Aktionen, bei denen nur der letzte Passer auf dem "Statsheed" belohnt wird, der Spieler der die Defense aufgewirbel hat und/oder den Ball stealen konnte, den freien Assistgeber fand jedoch wird außer Acht gelassen. Wenn man das Spiel nicht sieht - und so geht es uns oft -, dann wird man nicht beurteilen können wie aussagekräftig die Assist-Anzahl der Spieler ist.
So fordern mittlerweile auch etliche NBA-Trainer wie bspw. Mike Brown (Cavaliers) oder Sam Mitchell (Ex-Raptors-Coach) den sogenannten "Hockey-Assist", der in der NHL schon Gang und Gebe ist. Eine sinnvolle Überlegung.
Glückauf.
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